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Zukunftsthemen

Zukunftsthemen: Was uns bewegt: Heute und Morgen

In dieser Rubrik stellen wir Ihnen Themen vor, die uns bewegen. Unserer Meinung nach relevante Zukunftsthemen. Wir geben unter anderem Einblicke und Eindrücke von Veranstaltungen weiter, an denen wir teilnehmen oder selbst aktiv mitwirken. Sie finden außerdem Artikel zu den Zukunftsthemen Ich-Entwicklung und digitaler Wandel.

Zukunftsanalyse

Gesellschaftliche Implikationen von Ich-Entwicklung

Ein Essay auf Spiegel Online von Stefan Schultz, im Gespräch mit Dr. Thomas Binder, Geschäftsführender Partner der Synchronize-Consult GmbH

Berlin, 09.02.2019. Was nach der Leistungsgesellschaft kommt.
Bedingungsloses Grundeinkommen und wahre Gleichstellung: Deutschland könnte auf der Schwelle zu einem neuen Zusammenleben stehen. Warum, erklärt ein entwicklungspsychologisches Konzept.

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Ich Entwicklung Synchronize Consult
Zukunftsanalyse. Was nach der Leistungsgesellschaft kommt.

Stellen Sie sich vor, Sie würden in einer Welt leben, in der Sie sich frei entwickeln können. In einer Gesellschaft, in der Selbstverwirklichung einen höheren Stellenwert hat als Produktivität. In der Sie weniger arbeiten und dafür Ihren Sehnsüchten nachgehen. Und in der Ihre Mitmenschen Sie nicht nur tolerieren, sondern annehmen, wie Sie sind – mit Ihrem Lebenskonzept, Ihrer Hautfarbe, Ihrer sexuellen Orientierung.
Es ist möglich, dass wir die Anfänge eines solchen Zeitalters gerade erleben. Denn es gibt Anzeichen, dass sich unsere Gesellschaft fundamental weiterentwickelt. Genauer gesagt: dass sich viele Menschen fundamental weiterentwickeln. Viele Psychologen glauben, dass in der gezielten Entwicklung des Ichs, dieser geheimnisvollen, uns allen innewohnenden Instanz, der Schlüssel zu einer offeneren Gesellschaft liegt.Jane Loevinger, eine inzwischen verstorbene US-Entwicklungspsychologin der Washington Universität, hat ihr halbes Leben damit verbracht, eine Theorie zur Vermessung des Ichs zu erarbeiten. Sie führte Tests mit Tausenden Menschen durch und arbeitete heraus, dass ihr Denken, Fühlen und Handeln sich im Laufe des Lebens auf ähnliche Art entwickelte. Jedes Ich folgt demnach einer festen Reihenfolge von Entwicklungsstufen, und es wird dabei immer differenzierter und komplexer.

Die Theorie der Ich-Entwicklung wird von manchen Forschern abgelehnt. Kritiker stören sich daran, die komplexe menschliche Natur in ein starres Schema zu pressen. Es ist aber mittlerweile Konsens, dass Loevingers Theorie zumindest eine gute Orientierung gibt, was mit unserer Persönlichkeit im Laufe unseres Lebens passiert. Und dass sich dadurch vieles erklären lässt, was ansonsten nur schwer zu verstehen ist; die Entstehung unserer Leistungsgesellschaft, der zeitgleiche Aufstieg der Grünen und der AfD. Doch dazu später mehr.

Die heutige Forschung zur Ich-Entwicklung unterscheidet zehn bislang messbare Stufen , wobei sich kein Mensch komplett nur auf einer Stufe befindet. Oft verteilt sich unsere Entwicklung auf vier oder mehr Stufen, auf einer davon aber hat das Ich seinen Schwerpunkt.

Ebenso verhält es sich mit unserer Gesellschaft. Auch hier befinden sich die meisten Menschen auf einer bestimmten Stufe. Folgt man Loevingers Konzept, dann stehen uns fundamentale Veränderungen bevor. Denn die Verteilung scheint sich immer mehr auf spätere Stufen zu verlagern.

Seit den Sechzigerjahren wurden umfassende Erhebungen dazu durchgeführt, welche Ich-Stufen in Nordamerika sowie in West- und Mitteleuropa am stärksten verbreitet sind. Man kann heute in etwa von folgender Verteilung ausgehen:
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Digitale Transformation: Um was es eigentlich geht

Wie können wir den digitalen Wandel meistern?

Von Stefan Daniel, geschäftsführender Partner der Synchronize-Consult GmbH

Berlin, 01.12.2018. Seit Gutenbergs beweglichen Lettern gab es keinen derartigen Hype mehr wie den um die digitale Transformation. Sie ist wichtig, sie ist für die meisten Unternehmen sogar überlebenswichtig und sie ist in aller Munde – aber damit noch lange nicht in allen Köpfen.

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Nun lässt sich die Digitalisierung natürlich nicht einfach so über jedes Unternehmen stülpen. Dazu braucht es bei vielen zuerst eine veränderte Einstellung, ein neues Denken, Aufklärung und Abbau von Ängsten. Die latente Abneigung gegen Veränderungen ist eine zutiefst menschliche, vielleicht sogar zutiefst deutsche Eigenschaft. Schließlich waren wir in diesem schönen Land auch ohne digitale Gadgets jahrzehntelang weltweiter Technologieführer. Wozu jetzt digitaler Wandel?

Bild Digitaler WAndel
Digitaler Wandel

Digitalisierung in Organisationen

Die Bemühungen, eine gesamte Organisation zum digitalen Reifegrad zu führen, scheitern fast überall: Sie werden ausgebremst durch einzelne Entscheider, die fehlende Anpassung zentraler Funktionen, durch Prozesse, die immer noch auf RACI basieren. Kurzum: Die soziotechnische Schnittstelle in Organisationen hat noch viel Potenzial.

Um dieses Potenzial zu heben, brauchen wir einen unerschrockenen Umgang mit der kulturellen Ebene unserer Organisation. Schwer genug, auch ohne Digitalisierung. Wir haben deshalb eine kurze Anleitung entwickelt, mit der Sie sich in Ihrer Organisation auf den Weg machen können. Starten Sie die Selbstdiagnose.

Die Frage nach dem digitalem Reifegrad

Worauf können wir uns zwischen digitaler Paranoia und psychologischer Resilienz stützen? Wir wissen, dass die fortschreitende Digitalisierung durch zwei wesentliche Treiber beschleunigt wird: technologische Innovation und ein sich veränderndes Nutzerverhalten. Übertragen auf Ihre Organisation können Sie sich damit zwei zentrale Fragen stellen:

1. Wie ist unser aktueller digitaler Reifegrad als Organisation?

2. Wie verhalten sich meine Mitstreiter im Zusammenhang mit dem digitalen Wandel?

Für eine Bewertung des digitalen Reifegrades Ihrer Organisation bieten wir Ihnen ein Werkzeug unseres Kooperationspartners Creative Construction Heroes an: das Digital Maturity Assessment (kurz DMA). Damit können Sie sich ein erstes, ganzheitliches Bild über den digitalen Status quo Ihrer Organisation machen. Am Ergebnis können Sie schon tendenziell ablesen, wo der digitale Hase im Pfeffer liegt.

Persönichkeitstypen im Kontext des digitalen Wandels

Für die Beantwortung der zweiten Frage haben wir eine kleine Typologie erstellt, anhand derer Sie Ihre eigene Beobachtung schärfen können. Wir beschreiben sieben Persönlichkeitstypen, denen wir üblicherweise in Organisationen beim Thema digitaler Wandel begegnen. Dazu gibt es einen ersten Handlungsvorschlag, wie Sie mit dem jeweiligen Typus weiterarbeiten können. Schließlich muss jede Theorie ihren Wert in der Praxis beweisen.

Die sieben digitalen Notbremser:

1. Die Frustrierten:
“Schon wieder ein Change. Da kommt doch nichts bei rum.“
Müssen z. B. durch das Feiern von Zwischenerfolgen motiviert werden. Brauchen Beweise für die Nachhaltigkeit ihrer Anstrengungen, können durch Success Stories überredet (nicht überzeugt) werden.

2. Die Aussitzer:
„Erst mal abwarten und gucken, was die anderen machen.“
Dringlichkeit verdeutlichen, Marktchancen für den Early Adopter und Krisenszenarios aufzeigen.

3. Die Vorruheständler:
„In zwei Jahren bin ich eh raus – das sollen meine Nachfolger machen.“
Positiv motivieren, an der Ehre packen, Wichtigkeit des Projekts für die Zukunft der Kolleginnen und Kollegen herausstellen. Notfalls Zuständigkeiten ändern.

4. Die Erbsenzähler:
„Das Controlling sagt, das sei alles zu teuer.“
Horizont erweitern, langfristige Perspektiven und zugleich Negativbeispiele aufzeigen (z.B. Kodak).

5. Die Fortschrittsverweigerer:
„Aus dem Silicon Valley kommt nur Böses. Wir alle werden unter den Folgen der Digitalisierung leiden.“
Positive Ziele setzen. Brauchen „Beweise“ für „das Gute“ ihrer Mitarbeit, können durch Success Stories überredet (nicht überzeugt) werden. Notfalls Zuständigkeiten ändern.

6. Die Enthusiasten:
„Digitalisierung ist super! Wir müssen sofort loslegen und machen gleich mal eine Design-Thinking-Runde in der Geschäftsleitung und bauen gleichzeitig im ganzen Haus einzelne Squads auf, die sich drum kümmern. Und jeder bekommt erst mal ein iPhone!“
Fundament und System schaffen, Teambindung stärken, strukturieren, coachen, begleiten.

7. Die Anpacker:
„Leute, das Licht da vorne ist nicht das Ende des Tunnels, sondern ein entgegenkommender Zug!“
An der Erstellung der digitalen Roadmap beteiligen, Kontext erweitern, die Sinne für alle Ebenen der Organisation schärfen, Verantwortung geben.

Wir gehen davon aus, dass Sie mindestens fünf dieser Persönlichkeitstypen innerhalb Ihrer eigenen Organisation identifizieren können.
Falls nicht, Glückwunsch! Sie befinden sich bereits auf der digitalen Überholspur.
Falls ja, packen Sie es an! Stellen Sie sich gegen den natürlichen Lauf der Dinge und fordern Sie sich und Ihre Organisation in Konsequenz und Weitsicht.

Veranstaltungsrückblick IAA Frankfurt: Drinnen und Draußen

Warum wir eine neue Handlungslogik brauchen

Von Dr. Bettina Haasen, Beraterin bei Synchronize-Consult

Frankfurt. 12. September 2019. Auf dem Weg zurück aus einer anderen Welt, die in diesen Tagen im medialen und gesellschaftlichen Fokus steht – die Welt der Automobilindustrie, der Händler und Zulieferer, die strahlend-leuchtende-heile-stahlglatte Welt, die diesmal unter dem Zeichen von „E“ (Mobilität) steht.

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Der ICE ist krachend voll, ich bin nicht die Einzige, die am Tag der Eröffnung mit dem Zug direkt von der Messe zurück in die Hauptstadt fährt. „Waren Sie auch auf der IAA“? fragt mich mein Tischnachbar. Ja, das erste und wahrscheinlich das letzte Mal, denke ich, heißt es doch, dass es die IAA (Internationale Automobilausstellung) in dieser Form nicht mehr geben wird. Die Zeiten ändern sich. Letzte Telefonate werden lautstark geführt, so als ob es kein Morgen gäbe. Große Aufruhr. Ich frage mich, ob diese Geschäftswelt denn nie zur Ruhe kommt? Und dann ist es plötzlich still. Totenstill. Das ganze Abteil scheint zu schlafen. Abzudriften. Abzuschalten. Nur ich komme nicht zur Ruhe. Wieso kann ich jetzt nicht endlich auch schlafen? Den ganzen Tag auf den Beinen, von Halle 5 zu Halle 3 zu Halle 8.

IAA Frankfurt Dr. Bettina Haasen
auf der IAA Frankfurt 2019

Ich versuche die Welt unserer Kunden mit dem Blick auf ihre Handlungslogik zu betrachten und bin hellhörig in jedem Gespräch, worüber und wie man hier spricht. Wie wie sieht es heute, im Jahr 2019, eine Woche bevor das Klimapaket verabschiedet wird, in dieser Welt aus? Wie wird argumentiert? Wo findet Innovation statt? Welches Verständnis hat man hier von Innovation? Wie erlebt und agiert man im Umgang mit disruptiven Technologien? Ich bin hellhörig und achte auf alle Zeichen, die angesichts von gesellschaftlichen globalen Herausforderungen immer dringlicher werden. Während wir – mein Kollege Peter Brunner von  Synchronize Consult  und ich – versuchen, uns ein Bild zu machen über das neue Bild, dass die vertretenen Automobilhersteller, -Zulieferer und Händler so aktiv bewerben, werden wir immer wieder auf uns selbst zurückgeworfen. Ich, die seit einer kleinen Serie von roten Autos (Citroen, Mazda…) schon lange und nun endgültig kein Auto mehr besitzen will und eiserne Stadt-Radfahrerin ist und bleibt, und Peter, Motorradliebhaber und Autofahrer, der mir die für ein E-Fahrzeug nötigen Fahrwerks- und Antriebskomponenten und die Vor-und Nachteile von Wasserstoff in Verbindung mit Brennstoffzellen erörtert. Neben der technischen Annäherung geht es immer wieder um die eigene Wahrnehmung, die den Blick formt: Aus welcher Perspektive blicken wir auf die Messe? Auf ihre Besucher und die begeisterten Gesichter? Welche unterschiedlichen Zukunftsbilder existieren, und wie gelingt es, von einer gemeinsamen Gegenwart auszugehen? Kann man es aushalten, zu beobachten und nicht zu bewerten und auch, dass es da etwas gibt, was bei einem selbst nichts auslöst, für viele Menschen aber ein Symbol von Freiheit und Individualität darstellt? Aus meiner Sicht muss sich ganz schnell, ganz viel, ganz radikal ändern. Eine Woche, bevor das Klimakabinett am 20. September ein Gesamtkonzept für mehr Klimaschutz verkünden wird!

IAA Frankfurt 2020 Dr. Bettina Haasen
von der IAA Frankfurt 2019

Wie kann es eigentlich sein, dass es auf dieser Messe ein „Drinnen“ und „Draußen“ gibt. Um mich herum einige Stände der Chinesen, die schnell und großflächig Produkte bauen, und ein deutscher Zulieferer, der weiterhin Diesel-Antriebe baut, obwohl es so wenig mit der allgemein internalisierten Abkehr vom Verbrennungsmotor zu tun hat. Dort ein Meeting im Elevator-Modus über Erfahrung mit  Shared Economy  und einer grünen Energiewende in den skandinavischen Ländern. Zu kurz, um wirklich mal nachhaken zu können.

Ein anderer Eindruck: E-Mobilität ist in aller Munde, steht auf allen Plakaten und doch gibt es da die auch die große spürbare Verunsicherung neben all der Vehemenz. Noch gibt es die Hybrid-Fahrzeuge und das etablierte Geschäftsmodell, das eng an die Serienproduktion der SUVs gekoppelt ist, und die wenig kalkulierbare Zukunft inklusive aller politischen Entscheidungen. Wie klimaneutral sind eigentlich die gehypten E-Wagen? Wie CO2 neutral sieht es in der Wertschöpfungskette aus? Jetzt ist es offiziell und politisch „verordnet“ und wird bald auch sanktioniert, aber was passiert, wenn niemand kauft, weil es sich niemand leisten kann? In meiner Suche nach einem facettenreichen Bild in dieser Hochglanz-Welt spreche ich einen jungen Mann an, was ihn denn auf der Messe umtreibe. Er wolle sich ein E-Auto kaufen, privat, sagt er, aber er sei verunsichert. Er hätte jetzt erfahren, dass der e-Treon (von Audi) nur 300 km fahren kann und dann 1,5h zum Laden braucht. Das könne er sich nicht leisten. Geld spiele keine Rolle, aber diese Unsicherheit in Bezug auf seine eigene Mobilität überzeuge ihn nicht.

IAA Frankfurt 2020 Bettina Haasen
von der IAA in Frankfurt

Kurz darauf ein Gespräch mit einem Vorstandsvorsitzenden, mit dem wir über die Zukunft von Beratung sprechen, aber auch über autofreie Städte und die Dekarbonisierung des Verkehrssektors, was seiner Meinung zu kurz greift, wenn Schiffe und Flugzeuge weiterhin fossile Kraftstoffe benutzen. Es liegt auf der Hand, wie eng das Thema Verkehrswende mit der Energiewende verknüpft ist und alle angeht und gar nicht mehr isoliert diskutiert werden kann. Auch im tollen  Streitgespräch, organisiert von der TAZ zwischen Tina Velo („Sand im Getriebe“) und VW-Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess, werden neben klarer Frontstellung und unterschiedlicher Position auch Dinge angesprochen: Wir brauchen ein neues Wirtschaftsverständnis, Wachstum verändert sich und Wandel darf nicht länger als Verzicht und Mangel betrachtet werden. Individualverkehr kommt an seine Grenzen, und E-Mobilität befindet sich durch seine „Subventionierung“ in Form von SUV-Verkäufen in einem kritischen Spannungsfeld. Viel ist in Bewegung, und es gibt keine isolierten, einfachen entweder-oder Betrachtungsweisen. Die Zeit drängt, und ich träume weiterhin und umso stärker von einer autofreien Stadt und langfristig von einer gut ausgebauten Infrastruktur im ländlichen Raum, für jung und alt, in der das gesellschaftliche Miteinander noch einmal einen neuen Wert bekommt. Aus einem Film von Almodovar erinnere ich den Satz: „Wir sind umso authentischer, je ähnlicher wir dem Traum werden, den wir von uns selbst haben“. Was würde passieren, wenn wir alle wieder mehr (voneinander) träumen würden?

Mobilität und Verkehrswende wird schon längst nicht mehr nur in den Messehallen in Frankfurt verhandelt. Wieso hat hier „Sand-im-Getriebe“ eigentlich keinen Stand? Wieso laufen nicht mehr Politiker rum? Warum gibt es keinen Bürgerdialog? Es ist doch gar nicht so schwer ins Gespräch zu kommen und wir sind alle Teil der „Krise“ und auch der „Wende“. Wenn ich mir das dann wieder in Bezug auf unsere Rolle als Beratung ansehe, dann denke ich: Ja, darum geht es – diese Räume wollen gestaltet werden, und das geht auch nicht mehr alleine. Es ist ein gesellschaftliches Projekt, dass alle Bereiche Industrie & Technologie, Wissenschaft, Politik, Bildung und auch die Künste betrifft – jeder in seinem Wirkbereich. Herbert Diess posted am 12.9.2019 auf LinkedIn: „Wir stehen vor einem echten Systemwechsel, den wir als Autoindustrie nicht im Alleingang bewältigen können

Und so wie  Maja Göpel  es so treffend auf den Punkt bringt „Warum können wir diese Aufbruchsstimmung nicht generell fassen für eine gemeinsame Idee des Wirtschaftens des 21. Jahrhunderts auf allen Bereichen?“.

Das Telefon klingelt. Ich gehe auf den „Flur“ im ICE und stoße zufällig auf Robert Habeck. Wie sich herausstellt war auch er auf der IAA und auf einem  Podium  mit Daimler-Chef Ola Källenius: Ein Satz lässt mich aufhorchen: „Die CEOs der IAA sind in vielerlei Hinsicht viel weiter als die Politiker!“ Ich werde nachdenklich. Was können wir voneinander lernen, wenn wir wieder miteinander ins Gespräch kommen und uns befähigt fühlen, die Zukunft zu gestalten? Eine der hartnäckigsten Denkweisen ist das Gefühl der eigenen Ohnmacht. Aber sind wir nicht alle auf einem Entwicklungsweg in einer sich existentiell wandelnden Welt. Und ist es nicht eine Riesenchance, wenn wir mit unseren unterschiedlichen Kompetenzen in einen ehrlichen Dialog treten, um in der Entwicklung ein gesamtgesellschaftliches Bild zu prägen. Hinein in eine neue Handlungslogik. Nicht lähmen-lassen, nicht polarisieren, zuhören und mitreden. Jetzt!

 

 

Was offensichtlich noch fehlt:

…ist der globale Case-for-action!

Im Gespräch: Stefan Daniel (Geschäftsführer Synchronize-Consult GmbH) mit Dr. Bettina Haasen. Irgendwo zwischen Ingolstadt und Berlin

Bettina Haasen: Wachstum ist ein Buzz-Word, eine politische Vokabel, auf der sich alle gerne ausruhen. Mir fallen viele Fragen ein, über die ich gerne im Gespräch mit dir bin. Lass uns doch mal anfangen, darüber auch zu schreiben und sehen was passiert. Fangen wir mit der ersten Frage an: Warum bewegt dich dieses Thema jetzt, heute?

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Stefan Daniel: Es ist die Summe meiner Eindrücke, ein Kombinat aus kollektivem Burnout und öffentlicher Hilflosigkeit, die mich bewegt. Was wäre, wenn wir die soziale Kraft, die Leichtigkeit, die Spontaneität wieder zurückholen würden? Wenn wir uns Organisationen zurückerobern als Orte von Kreativität und Erfolg durch Leichtigkeit? Dabei muss es um eine Kombination aus Sinn (purpose) der Organisation und des sozialen Miteinanders gehen. Viele Organisation, die nach außen hin einen guten Auftritt haben sind im Inneren in einer Einbahnstraße ihrer Entwicklung. Umgekehrt sind die Optimisten und Träumer oft wirtschaftlich nicht erfolgreich, zumindest nicht so, dass sie aus ihrer Organisation einen großen Ort machen können. Ich möchte einen Beitrag dazu leisten, das großflächig zu verändern.

Bettina Haasen: Was bedeutet Wachstum für dich?

Stefan Daniel: Wachstum assoziiere ich als Erstes mit einem persönlichen Reifeprozess. Wir wachsen als Menschen am Rande unserer Möglichkeiten. Im Rahmen unserer Beziehungen, im Lichte unserer Biografie. Was dabei tatsächlich wächst ist der Bezugsrahmen, mit dem wir auf uns und andere in der Welt blicken. Handlungslogik, mindset, wie auch immer man das nennen will. Dann gibt es noch spirituelles Wachstum, in dem das Ego mit der Zeit abgemanaged wird. Idealerweise greift beides ineinander, das psychologisch erklärbare Wachstum (Handlungslogik) und das spirituelle Wachstum (der Weg zur Erleuchtung). Das kann man alles nachlesen bei Thomas Binder „Ich Entwicklung für effektives Beraten“ und Buddha.

Bettina Haasen: Was muss sich denn deiner Meinung nach ändern?

Stefan Daniel: Wirklich ändern muss sich, wofür Organisationen da sind, wie sie sich verstehen. Zu einem Zeitpunkt, in dem sich die Weltressourcen zunehmend erschöpfen, Despoten jahrelange Kriege führen und Menschen unterdrücken. Organisationen müssen ihren Zweck vom Shareholder-Value hin zum Social Value weiter entwickeln. KPI’s der Zukunft kann man heute schon z.B. in der Gemeinwohlökonomie nachlesen. In dieser Richtung muss es unbedingt weiter gehen und Organisationen, die sich auf diesen Weg machen, müssen öffentlich dafür anerkannt und belohnt werden. Alternative Wirtschaftspreise, Auszeichnungen, Management-Lehren, etc. – all das muss sich auf eine neue Stufe von Entwicklung begeben.

Bettina Haasen: Was zeichnet heute einen guten Berater, eine gute Beraterin aus? Was reicht möglicherweise nicht mehr? Du arbeitest seit 15 Jahren als Berater. Wonach strebst du?

Stefan Daniel: Ein guter Berater zeichnet sich meines Erachtens durch gute Kundenzugänge, einen hohen Reifegrad in der eigenen Entwicklung (psychisch und spirituell), ein integrales Wertegerüst und soziale Interaktionskompetenz aus. Fachliches kann man lernen, Streben und Überzeugung müssen in einem selbst erwachen. Wir intervenieren als Organisationsentwickler in Systeme, in denen hunderte von Menschen arbeiten und aktiv sind. Ich bin dabei allerdings nicht verantwortlich für den Geschäftszweck der Organisation, den bestimmt sie selbst. Ich verstehe mich da eher als professionellen Sparringspartner, der einen Rahmen für konstruktive Weiterentwicklung einer Organisation schafft. Ich trage die Verantwortung für mein Wirken, meine Worte, Gedanken und Gefühle, mit denen ich jeden Tag agiere. Wie jeder andere Mensch auch. Um Organisationen zu verändern und von der Notwendigkeit zu überzeugen, neue Wege einzuschlagen reicht es m.E. nicht, wenn man sich in einer Beratungsorganisation einfach dem Mainstream und die gleichen Paradigmen bedient wie die Kunden, die man berät. Da bin ich selbst in einer Transition und noch nicht am Ende meines Weges angelangt.

Bettina Haasen: Welche Fragen bleiben in deinem Tun unbeantwortet? Was ist das Neue?

Stefan Daniel: Mich begleitet ganz stark die Frage, wie wir uns als Beratungsorganisation weiter entwickeln müssen, um auch in Zukunft attraktiv zu sein für unsere Kunden. Darauf habe ich heute nur Teilantworten, Aspekte aus unterschiedlichen Quellen und Perspektiven. Außerdem bin ich nicht allein in der Firma, d.h. Resonanz ist auch immer unterschiedlich und personenabhängig. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich zu früh bin mit meinen Sichtweisen. Visionen werden nicht immer belohnt, konkurrieren mit dem Status quo und der individuellen Sicht auf die eigene Wirklichkeit. Das Neue ist für mich eine inspirierende, kraftvolle Quelle für Veränderung zu sein. Ein Ort, von dem man als Organisation und Individuum verändert zurückkehrt.

Bettina Haasen: Was berührt dich? Wie erlebst du deine Beweglichkeit?

Stefan Daniel: Menschen sind mein Motor, schon immer. Neugier auf Unterschiede, Begegnung und Gefühle. Resonanz, in der ich mich selbst wahrnehmen und erleben kann. Die Spiegelfläche für meine eigene Entwicklung. Was mich berührt sind Momente voller Ehrlichkeit und sozialer Dichte, die ich mit meinen Kunden/Teams erleben darf. Für mich ist das ein großes Privileg, in der Regel entsteht in der gemeinsamen Arbeit etwas, was im stressigen Alltag meiner Kunden nicht entsteht. Meine eigene Beweglichkeit wohnt in der Achse aus Körper und Geist und ist zwischen 18 und 60 Jahren alt. Je nach Tagesform und Kalender bzw. Auslastung. Ich arbeite viel, weil ich damit das schaffen kann, was mir wirklich wichtig ist im Leben. Ich stifte einen Rahmen für Entwicklung. Ich bin ein Helfer, Enabler, Möglichmacher. Das ist mein Licht, meine Quelle, meine Bestimmung. Widerstände gibt es dabei nicht wirklich.

Bettina Haasen: Was ist dein Bild von einer offenen Gesellschaft?

Stefan Daniel: Jeder kann sich entfalten, die Stärkeren unterstützen die Schwächeren und es gibt ein gutes, konstruktives Miteinander in der realen, gesellschaftlichen Bandbreite. Ich finde heute kein wirklich gutes, komplettes Beispiel für meine Bilder. Vielleicht muss ich diesen Teil der Gesellschaft erst gründen. Allerdings bin ich selbst noch nicht da, noch nicht komplett und vielschichtig genug dafür. Mir fehlen soziale Sichtweisen und Kompetenzen, um das komplett zu denken. Es mangelt mir schlicht an Größe und das kann ich anerkennen. Schweiz, Dänemark, Norwegen – alles gute Beispiele für Teile einer offenen Gesellschaft. Bildungswesen, Sozialstaat, Altersversorgung – es ist nichts komplett und ich vermute, dass das aktuelle politische Wesen nicht zur Gestaltung von kompletten Gesellschaftsformen in der Lage ist. Eines noch… in einer offenen Gesellschaft gibt es ein einheitliches Wertegerüst, mit dem sich die Mehrheit wohlfühlt. Nicht nur individuelle Haltungen und Meinungen, weniger Bandbreite.

Bettina Haasen: Was ist in deinem Verständnis eine neue Wertschöpfungs- und Wachstumsgesellschaft. Was siehst du? Was ist noch unscharf?

Stefan Daniel: Organisationen werden integraler Bestandteil einer sozialen Wertschöpfungskette. Aus meiner Sicht bilden Organisationen für viele Entwicklungen den ersten Ort, an dem man etwas Neues beobachten kann. Entweder sie erfinden es oder setzen es großflächig ein. Z. Bsp. Digitalisierung oder Industrie 4.0. Das würde niemals in rein sozialen Flächen entstehen. Was einer nahtlosen und nachhaltigen Integration im Wege steht, sind gewinnmaximierte Geschäftsmodelle und Wettbewerbsstrategien. Der Feind ist nicht der Konkurrent, sondern die kollektive Zerstörung unseres Planeten. Es ist auch kein Geheimnis, dass wir unsere intellektuellen und schöpferischen Kräfte auf eine Kehrtwende fokussieren müssen. Der Gründer von Alibaba, dem erfolgreichsten chinesischen Retailer, ist ein gutes Beispiel. Kürzlich befragt, was Kinder aus seiner Sicht lernen müssen: Werte, Miteinander und Kreativität. Offensichtlich brauchen wir die Freiheit vom wirtschaftlichen Rhythmus, um sozial-progressiv und wertorientiert zu denken.

Bettina Haasen: Wie könnte/sollte aus deiner Perspektive eine neue soziale Praxis aussehen?

Stefan Daniel: Eine Art Lernreise oder auch Praktikum für Menschen in allen biografischen Phasen. Ein integrales Modell von lebenslangem Lernen und Perspektivwechseln, um den eigenen Entwicklungsprozess mit Energie zu versorgen. Innerhalb und außerhalb von Organisationen, so dass sich nachhaltig gute Impulse wechselseitig ausbreiten können. Wir müssen uns inspirieren lassen! Als Professionals, Väter, Arbeiter, Arbeitslose und CEOs.

Bettina Haasen: An welche Orte müssen wir gehen? Wo gibt es Ab-und Umwege? Kreuzungen?

Stefan Daniel: In unserer individuellen Entwicklung gibt es einen Ort, zu dem ein Weg mit zwei Abschnitten führt. Zunächst die Entwicklung zu sich selbst, d.h. weg von anderen (Ursprungsfamilie, Rockergruppen, etc.) und dann weg von sich selbst (dem eigenen Ego, Egozentrik, etc.) Wir kommen dann in einer ziemlich coolen Entwicklungslandschaft an. Von dort aus kann man anderen auf ihrem Weg helfen oder einfach nur im ungetrübten Gewahrsein ruhen.

Bettina Haasen: Was kommt nach der kapitalistisch-gewinnmaximierenden Weltordnung? Haben wir da irgendeinen Einfluss?

Stefan Daniel: Natürlich haben wir den. Alles beginnt bei der individuellen Wahrnehmung. Wenn sich diese im großen Stil schärft und verändert, wird sich die Welt verändern. Das ist für mich klar und unstrittig. Was noch nicht wirklich handlungsleitend ist, ist offensichtlich der globale Case-for-Action. Darüber lesen wir jeden Tag – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich auch noch.

Bettina Haasen: Wie könnte ein neues Narrativ der Zukunft aussehen? Welche Geschichten kommen dir in den Sinn? Für wen?

Stefan Daniel: Für dich und mich. Für uns. Für uns alle. Wir müssen Geschichten erzählen von Menschen und Organisationen, die sich verändern. Und daraus etwas anderes verändern. Weiterdenken und fühlen als vorher. Das sind wichtige Botschafter für uns. Für uns alle, sowohl im professionellen, als auch im privaten Bereich. Mehr Inspiration, jeden Tag. Das ist unser Benzin, unser Mut und Leidenschaft. Aus Leidenschaft kann etwas erwachsen, wenn wir es nur als immer wiederkehrenden Startpunkt verstehen können. Unser Leben ist bestimmt der beste Lehrer, der beste Geschichtenschreiber von allen. Jeden Tag schreiben wir sie aufs Neue, bis zum letzten Atemzug.

Das Gespräch führte Bettina Haasen (SC) im März 2019

 

Summer Camps

Die synchronize Summer Camps bieten einmal pro Jahr eine Plattform für intensiven fachlichen Austausch mit externen Gästen und Netzwerkpartnern. Wir nutzen diese Zeit uns selbst und die Welt in der wir uns bewegen zu reflektieren, an Lösungsstrategien für die Zukunft zu arbeiten, miteinander- und voneinander zu lernen, querzudenken und das Unmögliche möglich zu machen.

Summer Camp 2019

Wir in der Welt, die sich wandelt
Das dritte Jahr in der Prignitz. In diesem Jahr beschäftigen wir uns in unserem 5-tägigen Summer Camp mit dem Zustand der Welt…

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…und versuchen aus unterschiedlichen Perspektiven zu explorieren, in welchem Spannungsfeld sich unsere Gesellschaft, Politik, Wirtschaftssystem und damit auch unsere Kundensysteme bewegen.
Es ist Zeit, Organisationen und Unternehmen neu zu denken. Es ist Zeit zu erkennen, dass alles mit allem zusammenhängt. Es ist Zeit, den Sinn unseres Seins und Tuns wieder neu zu entdecken. Wir durchdenken Fragen unserer zukünftigen Identität, suchen nach einer guten Balance zwischen Erneuerung und Stabilität im Innen und Außen. Wir experimentieren mit dem ‚Medicine Wheel‘, machen wertvolle Erfahrungen mit unseren Gästen und hören auf die Signale unserer Welt.

 

SC Summer Camp Gruppenbild Beitrag
Synchronize Consult Summer Camp 2019

 
Gäste: Henrike Lindemann, Marion Quaas-Reinhard, Gerd Hofielen

SC: Dr. Bettina Haasen, Bernd Fechler, Bodo Linke, Klaus Glaser, Dr. Thomas Binder, Peter Brunner, Stefan Daniel

Summer Camp 2018

Denkwerkstatt
Unser zweites Summer Camp in Döllen steht unter dem Thema unsere Zukunft als Beratungsorganisation. Eine Vertiefung unserer Auseinandersetzung mit einer möglichen Zukunft als Beratungsorganisation.
Wir öffnen uns für Impulse und Perspektiven von außen, suchen nach einer attraktiven Position im öffentlichen Raum für Kunden und Berater. Neue Formate (Earth Forum) unterstützen dabei unsere Suche und es entstehen Arbeitsstrecken für die nächsten 12 Monate.

Synchronize Consult Summer Camp 2018
Synchronize Consult Summer Camp 2018

Gäste: Dr. Petra Krings, Manish Srivastava, Elmar Türk, Alexander Braun, Dr. Hanjo Gergs, Maik Müller, Daniela und Stefan Röcker (Kulturkomplizen)

SC: Kathrin Farr, Dr. Bettina Haasen, Bernd Fechler, Bodo Linke, Klaus Glaser, Dr. Thomas Binder, Peter Brunner, Stefan Daniel

 

Summer Camp 2017

Lernen als System
Das synchronize Summer Camp dient uns Beratern einmal pro Jahr als erweiterte Fläche für fachlichen Austausch und intensive Begegnungen.
In dieser Sommerwoche synchronisieren wir Kopf, Herz und Hand unseres Beratungssystems, das heißt, wir denken und arbeiten gemeinsam an spannenden, aktuellen Fragen und Themen unserer Beratungsfelder. Wir entwickeln und erproben gemeinsam neue Vorgehensweisen für die Arbeit in unseren Kundensystemen. Vor allem aber begegnen wir uns als Menschen auch außerhalb des beruflichen Kontextes.
Wir werden wir selbst zu Lernern, Beobachtern und Akteuren und können aus dieser Qualität Kraft und Inspiration für unsere Arbeit mit unseren Kunden schöpfen. Diesen Rhythmus wollen wir beibehalten – einmal pro Jahr intensiv und konzentriert in einer Woche gemeinsam denken, arbeiten und uns mit- und aneinander entwickeln.

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Synchronize Consult Summer Camp 2017